Es sind immer die kleinen Momente, die besonders sind. Ich glaube, sie sind so besonders, weil sie unverhofft kommen und sogar mich selbst überraschen.
Momente in denen meine Reise und das Erlebte wieder so präsent und real werden, dass es fast schon zuviel ist. So wie eben:
Eine Russin schneidet mir die Haare, wir kommen zwangsläufig ins Gespräch. Weit entfernt von dem üblichen BlaBla. Ich krame ein paar Brocken russisch hervor und wir scherzen.
Ich hüpfe mit ihr in Gedanken über die Weltkarte, als wäre nichts dabei. Spüre dabei wieder den Staub in der Luft, den Geschmack vom Wind, die Vibrationen am Lenker, die Verbindung zum Boden und wie es sich angefühlt hat, dahinzugleiten und zu strampeln.
Fest steht: Es war eine Reise, die doch mehr verändert, als ich wohl begreifen kann. Und eine der besten Kopfmassagen meines Lebens.
Wer sich wundert, warum hier seit längere Zeit keinen neuen Blogeinträge mehr erscheinen: ich war unterwegs!
Wie wann warum?
Als ich nach der Arbeit so über den Holbeinsteg rolle, packt mich mit einem Mal die Abenteuerlust: let's go back to Thailand!
Die nötigen Sachen habe ich dabei und auch mit meinem Stadtrad sollten die paar Meter bis zum Ziel in überschaubarer Zeit machbar sein, so dass ich morgen wieder pünktlich im Büro wäre.
Ich biege also links ab, lasse mich mit Rückenwind schnurrstracks am Main entlang gleiten und parke dann wenige Minuten später mein Rad am Zielort. Bis jetzt läuft alles Bestens!
Dann ein beherzter Schritt durch die Tür und ich stehe mitten in den duftenden Hallen des Massage-Ladens. Wow! Der Lärm der Stadt verstummt und ruhige asiatische Meditationsmusik erfüllt den Raum. Dazu der typisch thailändische Duft des Massageöls und dann das lange vermisste S". Mein schüchtern erwiderndes Sawaidii Krap führt zum ersten, sympatischen Lacher des Abends. Schön!
Wenige Minuten später liege ich in Handtücher eingepackt auf dem Bauch und lasse mich mit altbewärten Handgriffen feste durchkneten.
Bis auf das viel ruhigere Ambiente erinnert mich alles so sehr an Bangkok, dass die Gedankenreise auch mit offenen Augen unmittelbar und vollständig einsetzt. Anschließend folge ich dem Rat der Thais und esse im Thairestaurant um die Ecke mein erstes Pad Thai in Deutschland. Sehr lecker und vom Geschmack erstaunlich nahe am "Original".
Khop Khun Krap!
Mein Kurzurlaub war also ein voller Erfolg. Und das beste: beides liegt bei mir direkt um die Ecke. Wer beim nächsten Mal mit möchte bitte melden! :)
Ei guude wie! Wo ziehste hi? Nach Frankfurt! Und da bin ich!
Der Umzug nach Frankfurt klappt reibungslos. Die Wohnung liegt sehr zentral und dennoch ruhig. Äbbelwoi-Kultur umgibt mich und ich fühle ich mich rundum wohl.
Nach dem vielen Radfahren genieße ich zur Abwechslung die Entdeckungsläufe im Grüngürtel oder am Main entlang. Toll!
Trotz all der Abwechslung im letzten Jahr überrascht micht Frankfurt auf angenehme Weise. Und das ist super. Genau richtig.
Eine Woche Deutschland geht zuende. Hier das wichtigste kurz zusammengefasst.
Toll ist:
Ich habe eine neue Wohnung in Frankfurt
Es gab drei ausgedehnte (bzw. ausdehnende) Grill-Feste mit meinen liebsten bei schönstem Wetter!
Der Kölner Dom steht noch am rechten Platz. Habe mich persönlich vergewissert. Zudem können die Kölner auch noch ordentlich feiern. Sehr beruhigend! Danke für das tolle Wochenende!
Es gibt wieder echte gute Bücher! Bücher! Bücher! Danke für den herzlichen Empfang @ O'Reilly-Verlag!
Pudding! ... ja, es gibt doch einige Dinge, die ich erst wieder probieren muss, um zu merken, wie sehr ich sie vermisst habe.
Meine alte Laufstrecke ist noch genauso toll wie damals! JP Morgan ick komm Dir!
Was ich die letzten Monate gar nicht vermisst habe:
die alberne Qualmerei in den Clubs und Restaurants und vor allem das unvorsichtige Handhaben der Glimmstengel auf der Tanzfläche.
die Sanduhr bei meinem Computer. Freut er sich denn gar nicht, dass ich wieder da bin? =:-O
mit Fußgängern überfüllte Radwege. Wenn schon, denn schon.
ach ja: und Junggesellenabschiede :)
Der Schlaf ist wieder gut und ich fühle mich wohl in der alten Heimat. Läuft!
Vor der Landung durchdringen wir drei dichte Wolkendecken. Erst dann ist deutscher Boden sichtbar. Überall Nebel, Autobahn, Betonbauten. Für die Sonne keine Chance.
Als dann kurz vor der Landung Frankfurts Skyline erscheint, muss ich kurz auflachen. Hach wie putzig!
Die Durchsage vom Kaptain bestätigt meine Vorahnung zu den vorherrschenden Temperaturen: über 20 Grad Celcius Temperaturunterschied.
Gelassen ziehe ich mir meinen dicken Fleecepulli an, den ich seit der eiskalten Rutschpartie in Chinas Bergen (vor Xichang) nicht mehr an hatte, und bereite ich mich so gut es geht auf den nahenden Kälteschock vor.
Ein ruhiger Flug geht zuende - schneller als ich erwartet habe. Nur selten gibt es leichte Turbulenzen.Ansonsten fliegen ich durch tiefe Nacht nochmal einen kleine Strecke meiner Reise ab (Schwarzes Meer, Ukraine, Slowakei, Polen).
Während alle schlafen, versuche ich mich schon an die Uhrzeit in Deutschland zu gewöhnen und halte tapfer die Augen auf, höre Musik und beobachte aus dem Fenster, wie in weniger Entfernung riesige Wolkentürme aufblitzen. Wenn mir die Augen zufallen, schlafe ich tief und ruhig und wache ausgeruht auf.
Am Flughafen holt mich das kurze "Moin" vom Zollbeamten endgültig zurück nach Deutschland. Nachdem ich mein Rad in Empfang genommen habe, gibt es einen herzlicher Empfang von meinen Liebsten. Das Wiedersehen ist großartig und mir ist plötzlich gar nicht mehr kalt. Danke!
Nach einer lustigen Autofahrt ("Die fahren ja alle falsch!") mit Stadtrundfahrt-Einlage ("Ist ja alles beim alten") dann endlich die heiße Dusche zuhause: mein Haarschampoo, mein Duschgel. Alles wieder da! Und endlich endlich - nach 12 Monaten - eine eigene frische Jeans und ein normales T-Shirt anziehen! Ein ganz besonders tolles Gefühl!
Wir frühstücken bis in die späten Abendstunden. Lecker Brot, Käse und Wurst federn den kulinarischen Wechsel ab. Der Champagner regt den Kreislauf an und ich komme gut durch die Hochs und Tiefs des Jetlags.
Dennoch: ein großer Teil meines Herzens hängt noch viel Stunden und Kilometer hinterher. Die ganze Woche ist eine einzige Achterbahnfahrt der Gefühle und wirklich unbeschreiblich.
Ich freue mich, euch wieder zu sehen, freue mich auf meine neue Wohnung, spannende Projekte und und und.
Die Tage in Singapur vergehen unglaublich schnell.
Vielleicht weil der Abflugtermin unweigerlich näher rückt und die Anspannung mit jedem Tag steigt. Diese Mischung aus Vorfreude und Abschiedschmerz ist unglaublich schwer zu beschreiben und stellt meine Geduld oft sehr auf die Probe.
Gut dass es in Singapur genug Ablenkung gibt:
Es ist immer angenehm warm, überall duftet es nach Jasmin und Patchouli-Bäumen. Das Nachtleben ist angenehm und ich erlebe intensive Nächte in den Clubs der Stadt. In der Wohnsiedlung von Ralph plätschern die Delfin-Fontänen im Pool. Im Fitness-Raum und Sauna tobe ich mich richtig aus.
Tag für Tag fahre ich den "Reisemodus" etwas mehr runter und bereite mich mit Wohnungssuche und anderen organisatorischen Aufgaben auf meine Rückkehr vor.
Am Abreisetag bin ich erstaunlich gefasst. Nachdem ich stundenlang versuche mein Rad in eine Bike-Box zu packen, stelle ich fest, dass die Box doch zu klein ist. Mit ölverschmierten Händen schraube ich es wieder zusammen und bestelle mir dann ein MaxiTaxi.
Rondolf kommt dann ganz normal im Kofferraum mit. Wie immer! Mit dem Taxifahrer gehe ich nochmal im Schnelldurchgang die Höhepunkte meiner Reise durch.
Am Flughafen ist das alles kein Problem. Das Rad wird von einem netten Sicherheitsbeamten abgeholt und kommt kostenfrei mit (da leichter als 15 Kilo). Auch mein Gepäck ist mit 19 Kilo noch genau unterhalb der Freigepäck-Grenze.
Reibungslos wird hier neu definiert.
Zudem ist der Flughafen Changi wirklich sehr ruhig und entspannt. Perfekt ausgeschildert, keine Menschenschlangen, freundlicher Sicherheitscheck erst kurz vor dem Abflug. Und ich habe noch genug Zeit um einen Super-Suhi-Snack einzulegen.
Als ich Abhebe bin ich gefasst - weit mehr, als bei allen anderen Abflügen bisher. Ein neuer Reiseabschnitt bricht an. Und ich akzeptiere das.
In den letzen Tagen habe ich nochmal alles gegeben und bereue nichts. Insgeheim freue ich mich vielleicht sogar auf etwas mehr Ruhe und mehr Fassung im Leben.